Eine angewandte Psychologie,
die den Anfang des Lebens
ins Zentrum stellt.

Die Geburtspsychologie ist ein spezifischer Teilbereich der Pränatalpsychologie, basierend auf prä- und perinataler Forschung.

Sie befasst sich ganzheitlich mit dem Erleben rund um Schwangerschaft, Geburt und die frühe Babyzeit — und zwar aus der Perspektive der Mutter, des Kindes und des Vaters beziehungsweise des gesamten Familiensystems.

Als noch junger, aber wachsender Fachbereich verbindet sie unterschiedliche psychologische Subdisziplinen zu einem kohärenten Praxisrahmen.

„Die Geburt ist kein rein medizinisches Ereignis — sie ist ein psychologisches Schwellenmoment, der das Familiensystem prägt."

Perspektive des Kindes

Teil der Entwicklungspsychologie — prä- und perinatale Prägungen und ihre lebenslangen Wirkungen auf Bindung, Verhalten und Gesundheit.

Perspektive der Eltern

Aspekte der Persönlichkeits- und Sozialpsychologie — Elternwerden als tiefgreifende psychologische Transition mit systemischer Wirkung.

Interdisziplinärer Rahmen

Verbindung von Medizin, Geburtshilfe, Sozialpädagogik und Psychotherapie zu einem integrativen, evidenzbasierten Praxisrahmen.

Warum Geburtspsychologie
heute unverzichtbar ist.

Erweiterung der medizinischen Perspektive

Geburtspsychologie ergänzt die klinische Geburtshilfe um die psychologische Dimension — als integratives Anwendungsfeld, das physiologisches und psychisches Erleben gleichwertig begreift und eine ganzheitliche Versorgung ermöglicht.

Wissenschaftlich fundiert & universitär verankert

Die Geburtspsychologie ist an der Schnittstelle von Forschung und Praxis positioniert — mit Lehraufträgen an der Universität und Anbindung an internationale Fachgesellschaften wie die European Association of Birth Psychology.

Langfristige Wirkung für das Familiensystem

Psychologische und emotionale Dimensionen der Geburt beeinflussen die langfristige physische und psychische Gesundheit aller Beteiligten — von früher Bindungssicherheit bis zur transgenerationalen Traumaprävention.

Die Geburtspsychologie im
Gesamtsystem.

Nach dem Psychologiestudium vertieft sich nur ein Teil im Feld der Prä- und Perinatalen Psychologie. Eine noch spezifischere Gruppe wendet sich dem praktischen Kernbereich, der Geburtspsychologie, zu — sie bildet in der Praxis die notwendige Harmonie zur Geburtsphysiologie.

Psychologie Prä- & Perinatalpsychologie Geburtspsychologie

Was Fachpersonen in der
geburtspsychologischen Praxis
konkret tun.

Prävention & Vorbereitung

Schwangere psychologisch fundiert, ressourcenorientiert und bindungsinformiert auf die Geburt und das Elternwerden vorbereiten.

  • Geburtsvorbereitung mit psychologischem Fokus
  • Bindungsförderung in der Schwangerschaft
  • Elternschaftsbegleitung & Psychoedukation

Begleitung im Geburtsprozess

Traumasensibel unterstützen, Trigger und alte Verhaltensmuster erkennen sowie eine Re-Traumatisierung aktiv verhindern.

  • Traumasensible Geburtsbegleitung
  • Erkennen dissoziativer Zustände
  • Stärkung von Selbstwirksamkeit & Autonomie

Nachsorge & Traumaarbeit

Die Geburtsgeschichte nachträglich aufarbeiten — mit Mutter, Partner oder dem Baby — und das Nervensystem wieder in Balance bringen.

  • Geburtsgeschichte nacharbeiten (EMDR, Somatic)
  • Arbeit mit Schreibabys & Regulationsstörungen
  • Traumaintegration im Familiensystem

Geburtspsychologie im
Schnittfeld der Disziplinen.

Als interdisziplinäres Feld vereint die Geburtspsychologie Erkenntnisse aus mehreren wissenschaftlichen Bereichen zu einem integrativen Praxisrahmen.

Entwicklungspsychologie

Frühe Prägungen, epigenetische Einflüsse, pränatale Wahrnehmung und ihre Wirkung auf Entwicklungsverläufe.

Traumapsychologie

Geburts- und Peritraumatisierung, Dissoziation, Polyvagaltheorie und Nervensystemregulation in der Praxis.

Bindungsforschung

Mutter-Kind-Bindung, Väterforschung, frühkindliche Interaktion und transgenerationale Weitergabe von Bindungsmustern.

Persönlichkeitspsychologie

Identitätsveränderung durch Elternschaft, Parentifizierungsprozesse und die Transition zur Mutterschaft/Vaterschaft.

Gynäkologie & Hebammenwissenschaft

Medizinisches und physiologisches Grundverständnis, Begleitung von Schwangerschaftsverläufen und interprofessionelle Zusammenarbeit im Geburtsteam.

Psychotherapie & Körperarbeit

Körperorientierte, somatische und tiefenpsychologische Ansätze für die Verarbeitung perinataler Erfahrungen.

Eingebettet in ein internationales Fachfeld.

Geburtspsychologie ist kein Nischenthema — sie ist in Fachgesellschaften, Vereinen und Universitäten international verankert.

EABP – European Association of Birth Psychology

European Association of Birth Psychology

Der Geburtspsychologie-Verein (EABP e.V.) wurde 2022 in Deutschland gegründet, um die psychologische Bedeutung von Schwangerschaft und Geburt im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. Die Non-Profit-Organisation fördert wissenschaftliche Forschung und bietet Fortbildungen für Fachpersonal sowie Informationsangebote für Familien an. Ein zentrales Ziel ist die Entwicklung eines geburtspsychologischen Siegels für Geburtsorte, um psychologisch kompetente Begleitung sicherzustellen.

eabp.eu
ISPPM

ISPPM

International Society for Pre- and Perinatal Psychology and Medicine — gegründet 1971. Die ISPPM e.V. erforscht wissenschaftlich die menschliche Entwicklung von der Empfängnis bis zur frühen Kindheit. Als interdisziplinäres Netzwerk fördert sie den Austausch zwischen Medizin und Psychologie, um die Bedeutung früher Bindungserfahrungen zu stärken. Zudem bietet der Verein praktische Unterstützung, etwa durch ein Hilfetelefon in Kooperation mit Mother Hood e.V. für Eltern nach belastenden Geburten.

isppm.ngo
APPPAH

APPPAH

Association for Pre- and Perinatal Psychology and Health — Die APPPAH (Association for Prenatal and Perinatal Psychology and Health) ist eine US-basierte Non-Profit-Organisation, die seit über 40 Jahren die lebensprägende Bedeutung der vorgeburtlichen Zeit und der Geburt erforscht. Sie schult Fachpersonal und Familien weltweit über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Bewusstseinsbildung von Babys bereits im Mutterleib. Die APPPAH etablierte den März als „Monat der Geburtspsychologie".

birthpsychology.com

Zur Geschichte und Entwicklung
der Geburtspsychologie.

Die Geburtspsychologie ist eine noch relativ junge Teildisziplin der Psychologie, die sich mit den psychischen und physischen Auswirkungen der Schwangerschaft, der Geburt und der ersten Lebensmonate auf den Menschen befasst.

1924

Otto Rank & Sigmund Freud

Als Initialzündung der Geburtspsychologie gilt das Jahr 1924, in dem Otto Rank (ein enger Schüler Sigmund Freuds) das Buch „Das Trauma der Geburt" veröffentlichte. Rank beschrieb die Geburt als erste große Angsterfahrung des Menschen und Blaupause für spätere Ängste. Freud lehnte diese Sichtweise ab, was zum Bruch führte — Rank wurde später zu einem der Väter der humanistischen Psychologie.

Pionier

Dr. Ludwig Janus

Dr. Ludwig Janus gilt als der lebende Pionier und wichtigste Vertreter der Pränatalpsychologie in Deutschland. Als Mediziner und Psychotherapeut widmete er sein Lebenswerk der Erforschung des vorgeburtlichen Erlebens – zu einer Zeit, als das Thema gesellschaftlich kaum anerkannt war. Als langjähriger Präsident der ISPPM prägte er die Prä- und Perinatalpsychologie international maßgeblich und schärfte das Bewusstsein für das vorgeburtliche Seelenleben. Sein Buch „Wie die Seele entsteht" fasst jahrzehntelange Forschungen zusammen. Durch Fachtagungen und universitäre Vermittlung setzte er sich unermüdlich dafür ein, das fühlende Bewusstsein des Ungeborenen in Wissenschaft und Therapie zu verankern.

1971

Fachgesellschaften: ISPPM & APPPAH

Das Wissen bündelte sich ab 1971 in der Gründung der ISPPM (International Society for Pre- and Perinatal Psychology and Medicine), der wichtigsten internationalen Gesellschaft auf diesem Gebiet. In den USA ist die APPPAH (Association for Pre- and Perinatal Psychology and Health) ein großer Vorreiter, die unter anderem Weiterbildungen anbietet und den März als „Monat der Geburtspsychologie" etabliert hat.

2022

European Association of Birth Psychology (EABP)

Die EABP ist eine 2022 gegründete, gemeinnützige Organisation mit Sitz in Deutschland. Sie engagiert sich für die Bedeutung psychologischer Prozesse während Schwangerschaft und Geburt und setzt sich zum Ziel, theoretische Erkenntnisse der Prä- und Perinatalpsychologie — mit dem Schwerpunkt Geburt — in die Praxis zu überführen. Durch Forschung, Bildungsangebote und internationale Vernetzung fördert die EABP ein ganzheitliches Verständnis von Geburt und stärkt positive Geburtserfahrungen für Babys, Mütter, Familien und Fachkräfte.

Heute

Anabel Galster & Swen Galster

Sie prägen die wissenschaftliche und praktische Entwicklung der Geburtspsychologie in Deutschland maßgeblich. Ihre zentrale Leistung besteht darin, das theoretische Wissen der Pränatal- und Perinatalpsychologie in eine angewandte Praxis zu übertragen und durch vielfältige Angebote zugänglich zu machen. Neben ihrer Praxis- und Lehrtätigkeit engagieren sie sich intensiv ehrenamtlich — unter anderem im Geburtspsychologie-Verein (European Association of Birth Psychology). Ziel dieser Arbeit ist es, die systemische Aufklärung voranzutreiben, multiprofessionelles Fachpersonal weiterzubilden und eine notwendige Brücke zwischen der akademischen Forschung und der gesellschaftlichen Lebensrealität zu schlagen.
Anabel Galster ist die erste Geburtspsychologin in Deutschland und begleitet Schwangere und junge Familien nach belastenden Geburtserfahrungen.

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